Der Z88 war der letzte Streich in Sachen Computer von Sir Clive Sinclair, dem massgeblichen Entwickler der gesamten Sinclair-Reihe. Deshalb wird der Z88 oft auch noch als Sinclair-Gerät bezeichnet, obwohl er von der Firma Cambridge Research Ltd. hergestellt wurde. Die Rechte an seinem eigenen Namen hatte Sir Clive einige Zeit früher an Amstrad verkauft.
Wer wissen möchte, was Sir Clive sonst noch so gemacht hat, werfe einen Blick auf die Seite von Sinclair Research.
Das Konzept dieses Handheld-Computers war an sich brilliant. Mit 900g ein absolutes Leichtgewicht, ist er wesentlich leichter und handlicher als praktisch alles, was heute auf dem Markt ist. Dieses Gewicht konnte natürlich nur durch einen Verzicht auf schwere Floppy- und Harddisk-Laufwerke erreicht werden, stattdessen mussten sich die Entwickler etwas anderes einfallen lassen. Und haben dem Z88 neben der obligatorischen (leider nicht ganz dem Standard entsprechenden) Serieschnittstelle drei "Slots" spendiert, die neben RAM-Erweiterungen und Applikationen auf ROM auch EPROM-Module aufnehmen, auf die die Daten permanent und batterieunabhängig gespeichert werden können. Löschen musste man diese Bausteine mit UV-Licht.
Der konsequente Verzicht auf alles Mechanische führt auch zu einer grossartigen Batterielebensdauer; mit einem Satz von 4 AA-Zellen arbeitet das Gerät bis zu 20 Stunden!
Gummifetischist?
Wie der Spectrum hat auch der Z88 eine Gummitastatur, davon wollte Sir Clive offenbar nicht abrücken. Was zuerst einige Skepsis hervorruft, stellt sich aber doch als ganz brauchbar heraus, handelt es sich dabei doch wenigstens um die beste Gummitastatur, die ich je unter die Finger bekam, denn sie ist ausgesprochen leichtgängig.
Das Display des Z88 stammt von Epson, und vermag drei Helligkeitsstufen darzustellen. Typischerweise ist der Bildschirm in einen Textbereich von bis zu 104 Zeichen in 8 Zeilen und einen graphischen Bereich auf der rechten Seite aufgeteilt, welcher zum anzeigen von Statusinformationen und z.B. einer Dokumentenübersicht in PipeDream genutzt wird.
Als Betriebssystem kommt das von der Firma "Operating Systems Limited" in Cambridge UK eigens entwickelte OZ zum Einsatz, das eine Art von Multitasking ermöglicht. Genügend RAM vorausgesetzt, können mehrere Applikationen gleichzeitig geladen werden, und zu jeder Zeit suspendiert und reaktiviert werden. Der Computer kann jederzeit ausgeschaltet werden, ohne dass die Daten verlorengehen.
|
Der Z88 enthält einige Applikationen bereits fest im ROM: Die Textverarbeitung und Tabellenkalkulation "PipeDream", ein persönliches Notizbuch, ein Datentransferprogramm, der Printer Editor, sowie BBC BASIC. Zusätzliche Applikationen können als ROM-Cartridges eingesteckt werden und werden vom OZ automatisch in die Umgebung eingebunden.
Zusätzlich stehen als sog. Popdowns folgende Applets zur Verfügung: Index (Application and card manager), Filer (File- und EPROM-Manager), Kalender, Rechner, Uhr mit Alarmfunktionen,
Import/Export (File transfer) und Panel (Einstellungen). Auch solche Popdowns können über ROM-Karten hinzugefügt werden.

Praxistest
Ich habe den Z88 einige Zeit mobil zur Erfassung von Texten verwendet. Neben dem praktischen Nutzen hat das auch viel Spass gemacht, denn so ein Gerät im Einsatz provoziert so manchen neugierigen Blick und interessierte Fragen...
In der Tat ist der Z88 sehr handlich, und auf Tastendruck ist alles innert Sekundenbruchteilen wieder verfügbar; kein langwieriges Hochfahren ist notwendig. Besitzt man keine Speichererweiterung, ist der Speicher allerdings voll, bevor die Batterien leer sind...
Natürlich braucht man einigermassen gutes Licht, um die LCD-Anzeige gut ablesen zu können, insbesondere wegen der 3 Graustufen. Was die Tastatur betrifft, stellt sich die erwähnte Leichtgängigkeit für Blindschreiber als Minuspunkt heraus, denn der Anschlag ist so leicht, dass man die Finger kaum in der Ruheposition auf die Tasten legen kann, ohne ein Zeichen zu erzeugen, was bei längerem Arbeiten zu Ermüdungserscheinungen führt, da man die Finger quasi ständig über der Tastatur "in der Schwebe" halten muss. Dafür hat die Gummi-Bauart den Vorteil, dass die Tastatur nicht klappert und man damit allfällige geräuschempfindliche Nachbarn in der Bahn nicht stört.
Die Textverarbeitungssoftware "PipeDream" ist vom heutigen Standpunkt gesehen etwas gewöhnungsbedürftig, da sie gleichzeitig auch eine Tabellenkalkulation beinhaltet. Dieses Konzept hat sich offensichtlich nicht durchgesetzt, und ensprechend ist der Umgang damit nicht sehr "intuitiv", wenn man modernere Software gewöhnt ist. Wie man z.B. einfach einen Zeilenumbruch in bereits bestehendem Text einfügt, ist beileibe nicht logisch (heute: einfach RETURN) und muss im Handbuch nachgeschlagen werden...
Ansonsten macht es durchaus Spass, mit dem Z88 zu arbeiten, und der Transfer der Daten auf den PC klappt problemlos, wenn man mal das (nicht standardkonforme) Kabel gemäss Handuch gebastelt hat.
Dank eines kleinen Windows-Tools (Z88 PipeDream Viewer von D. Gröning, hier erhältlich) kann man die Daten dann ins rtf-Format umwandeln und in ein Textverarbeitungsprogramm einziehen.
|